Der Berliner Pokerraub

Es war der wohl spektakulärste Raub, der bis dahin auf die European Poker Tour in Berlin stattgefunden hatte: Am 6. März 2010 überfielen fünf mit Kalaschnikows und Macheten bewaffnete Männer das Hotel Grand Hyatt in Berlin. Dort am Potsdamer Platz, in der Nähe des Casino Berlin, fand zu diesem Zeitpunkt die European Poker Tour statt. Die Täter hofften auf satte Beute.

Martialisch wirkten die Männer als sie die Eingangshalle des Turniers stürmten. Ihr Ziel: Das Preisgeld. Die Teilnehmer des Turniers blieben weitgehend unbehelligt. Mit dabei unter anderem auch Prominente, wie Charlotte Roche – die hätte vielleicht lieber im Online Casino oder nebenan Roulette spielen sollen. Insgesamt erbeuteten die Räuber 241.930 Euro, die sie in eine Laptoptasche stopften, eine eigene Tasche für das Geld hatten sie nicht mitgebracht. Dieses Detail zeigt deutlich: was auf den ersten Blick brutal wirkte, hatte im Nachhinein betrachtet wenig Substanz. Die Männer benahmen sich stümperhaft, machten Fehler.

Offenbar mehr oder weniger spontan hatten sich die Männer zu dem Überfall auf das Pokerturnier entschlossen. Am Morgen des Überfalls trafen sich bei McDonald's. Mit Burgern ausgestattet, parkten sie ihren Mercedes direkt vor dem Grand Hyatt Hotel, beobachteten Stundenlang das Gebäude und benahmen sich dabei offenbar so auffällig, dass nach dem Überfall gleich mehrere Zeugen sogar das Kennzeichen des Wagens nennen konnten.

Irgendwann ging es dann los. Die Männer stürmten in das Gebäude. Polizeiberichten zufolge war sei einem Täter bis zum Schluss gar nicht klar gewesen, worum es eigentlich ging. Sie alle machten mit, frei nach dem Motto: Sturmhaube auf den Kopf, Augen zu und durch. Schreiend, brüllend und mit den Waffen fuchtelnd rannten sie ins Grand Hyatt Hotel und räumten den Tresor aus. Alle Täter bekamen schwarze Handschuhe, bis auf einen – für ihn blieben nur gelbe Putzhandschuhe. Doch aus Eitelkeit wollte er sie nicht anziehen, weshalb er am Tatort Fingerabdrücke hinterließ – die Polizei dankt.

Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes erwischte einen Mann und entriss ihm die Beute, hielt ihn fest. Doch er konnte sich lösen und zusammen mit den anderen fliehen. In aller der Aufregung rissen die sich die Masken vom Kopf – trotz Überwachungskameras. Die Polizei dankt erneut. Zwei der Männer fliehen im Anschluss an den Überfall in Ausland. Trotzdem werden alle wenige Tage nach dem Überfall verhaftet, vor Gericht gestellt und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. So viel Aufregung für so wenig Erfolg, aber eine schöne Geschichte.